BUCHTIPP WAGNER´SCHE INNSBRUCK

Der heilige Eddy

Überall hörte ich von Jakob Arjouni – einem großartigen Autor, der sagenhaft lakonische Kurzgeschichten schreibt und einen festen Platz in der deutschen Gegenwartsliteratur innehat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von ihm gelesen hatte ( was ich meinen jungen Jahren und meinen noch geringeren Jahren im Buchhandel zuschreibe), bis mir eine geschätzte Kollegin dieses Buch anpries. Ich hatte schon immer eine Zuneigung zu diesen wunderschönen weißen Büchern – also ein erneuter Ausflug in die Diogenes-Welt.

Ich habe noch nicht viele Bücher entdeckt, die mich zum Lachen und Schmunzeln bringen und mich gleichzeitig mit langwierigen, witzlosen Trockenperioden verschonen. Doch der „heilige Eddy“ verschaffte mir dieses Vergnügen von der ersten Seite an. Die wunderbar- schlagfertigen Dialoge ließen mich so oft auflachen, dass die meisten meiner Nachbarn und auch der Busfahrer mich nun wohl für verrückt halten. Arjouni beschreibt ganz offen das Leben eines Kleinkriminellen und wartet dabei mit einigen Überraschungen und wunderbaren Feinheiten auf. Man fiebert mit dem vermeintlichen Übeltäter mit, bangt um das Gewissen seines besten Freundes, wartet sehnsüchtig darauf, was sich wohl hinter der geheimnisvollen Tür der noch geheimnisvolleren Nachbarin verbirgt und wünscht trotz eines gewissen Maßes an Skrupellosigkeit und Verschlagenheit, die Eddy anhaften, nur das Beste für „seinen“ Helden, den man inzwischen so ins Herz geschlossen hat, dass man ihm kein unglückseliges Ende zumuten will, nein, zumuten kann. Es hat all das, was man sich von einem originell- unterhaltsamen Buch wünscht: Witz, Cleverness, eine wunderbar schräge Hauptperson, und nicht zuletzt eine verquere Liebesgeschichte und ein Verbrechen ( wenn auch ein unbeabsichtigtes). Wieder hat sich ein Diogenes-Buch unter dem Motto „witzig & unterhaltsam“ in meinem Regal einen festen Platz ergattert. Sie haben noch einen Platz frei? Dann rein mit dem „heiligen Eddy“!

Michaela Aigner

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